Aug 29 2017

„Am Schluss hat jeder Rentner 100 Franken weniger“

Am 24. September stimmen wir über die AHV-Reform ab. Im Interview erläutert Ständerat Alex Kuprecht, weshalb die Reform die AHV gefährdet, sie zu einem milliarden Schuldenloch führt, die Senioren verlieren und deshalb abgelehnt werden muss.
 
Alex Kuprecht, die Altersvorsorge braucht dringend eine Reform, weshalb lehnen sie diese nun ab?
Ursprüngliche sollte diese Reform das Finanzierungsproblem der Altersvorsorge lösen. Nun haben wir eine
Ausbauvorlage, die alles gar noch schlimmer macht. Dem kann ich nicht zustimmen, das ist eine Scheinreform.

Sie sagen, dass sie alles noch schlimmer macht. Wie meinen Sie das?
Mit dem unverantwortlichen AHV-Ausbau für Neurentner wird die Kostenstruktur der AHV noch verschlimmert. Weil nun die Babyboomer in Rente kommen, wirkt das wie ein Brandbeschleuniger und die Situation wird rasant schlimmer. 2027 haben wir schon wieder jährlich eine Milliarde Defizit, acht Jahre später sind es jährlich schon sieben Milliarden. Diese Reform lebt einzig von Lohnkürzungen, Mehrwertsteuererhöhungen und neuen Bundesbeiträgen. Das ist weder nachhaltig noch gerecht.

Was kostet die Bürgerinnen und Bürger das?
Die AHV-Reform kostet rund 8 Milliarden Franken jährlich. Allein der AHV Zuschlag für Neurentner kostet 1.4 Milliarden Franken. Das schlimme an dieser Reform ist aber, dass wir für diese enormen Kosten nichts bekommen. Wir verschieben das Problem um fünf Jahre und dann brauchen wir die nächste Reform, die noch teurer sein wird.

Warum wurde ein AHV-Ausbau beschlossen?
Den Linken ging es darum die AHV-Auszubauen und die berufliche Vorsorge zu schwächen. Das ist eine rein ideologische Geschichte. Es stört sie, dass in der zweiten Säule nicht umverteilt wird. Langfristig wollen sie die berufliche Vorsorge weiter schwächen und eine Einheitsrente einführen. Es ist aber unsinnig unsere Säulen gegeneinander auszuspielen, das gefährdet nur das Gesamtsystem.

Wer wird die Schulden bezahlen?
Das wird die junge Generation sein. Sie werden heute betrogen und zwar doppelt: Erstens müssen sie die heutige Reform mit höheren Steuern und Abgaben bezahlen und zweitens bleibt es unsicher, ob sie je eine Rente erhalten. Ich störe mich daran, dass die Jungen für eine Reform zur Kasse gebeten werden, von der sie gar nicht profitieren werden.

«Heutige Senioren verlieren»

Ständerat Alex Kuprecht
 
Die Befürworter behaupten aber, Senioren seien nicht betroffen. Was stimmt?
Es gibt da gar nichts zu diskutieren: Heutige Senioren verlieren. Sie müssen höhere Mehrwertsteuern bezahlen und neu haben sie auch keinen Freibetrag mehr, wenn sie noch arbeiten gehen. Das wird sie etwa 100 Franken pro Monat kosten, die anschliessend zum Leben fehlen.

Aber sie bekommen 70 Franken mehr AHV. Das ist doch zu verkraften.
Falsch! Diese bekommen nur Neurentner, heutige Rentner bekommen nichts, sondern bezahlen nur. Aber selbst Neurentner verlieren noch 30 Franken. Nehmen Sie bspw. einen Bauernbetrieb: Häufig arbeitet der Vater weiter auf dem Hof und bezieht einen bescheidenen Lohn. Von diesem musste er keine Sozialabgaben
abziehen, neu muss er dies. Das macht auf den Freibetrag von 1‘400.- gerade 73.85 Franken. Damit ist der AHV-Zuschlag gleich wieder aufgefressen und er verliert gar noch.

Und er muss mit Kürzungen der Direktzahlungen rechnen.
Sie sprechen die Erhöhung des Bundesbeitrags an und sie haben Recht. Dieser wird um 700 Millionen erhöht, die irgendwo eingespart werden müssen. Es besteht das Risiko, dass dies bei der Landwirtschaft passiert. Wenns nach den Linken geht, wird es wohl höhere Bundessteuern bedeuten.

Zusammengefasst, weshalb muss diese Reform abgelehnt werden?
Die AHV-Reform ist ungerecht. Heutige Rentner bekommen nichts, müssen aber bezahlen. Jungen wird ein Schuldenberg hinterlassen. Sie gefährdet die AHV statt sie zu sanieren.

 

Darum geht’s bei der AHV-Reform:
Die AHV-Reform hatte zum Ziel die Finanzierung der Altersvorsorge zu sanieren. Das ist nicht gelungen. Stattdessen wurde die AHV für Neurentner mit der Giesskanne um 70 Franken erhöht. Bei Bezügern von Ergänzungsleistungen werden diese anschliessend um 70 Franken gekürzt. Die Mehrwertsteuer wird um 0.6%, die Lohnabzüge um 0.3% sowie der Bundesbeitrag um 700 Millionen Franken erhöht. Für Frauen wird das Rentenalter um ein Jahr angehoben. Für Rentner wird der AHV-Freibetrag abgeschafft. Der Umwandlungssatz in der 2. Säule wird auf 6% gesenkt. Dies gilt aber erst für alle mit Jahrgang 1975. Insgesamt kostet die Reform rund 8 Milliarden, aber bereits 2027 schreibt die AHV wieder eine Milliarde Defizit. Die jungen Generationen werden dieses Defizit begleichen müssen.

 

Am Schluss hat jeder Rentner 100 Franken weniger